Twitter ist derzeit in aller Munde, oder, präziser formuliert, in allen Medien. Kein Tag vergeht, an welchem ich nicht irgendwo in Zeitungen oder Webseiten Twitter entdecke, welches in der Regel hoch gelobt wird. Vergleiche mit Google und Facebook sind allgegenwärtig. Dem sogenannten “Micro-Blogging” wird eine rosige Zukunft vorausgesagt.
Eine kurze Umfrage in meinem doch technikaffinen Bekanntenkreis lieferte mir folgendes Bild: Die Mehrheit hat schon mal von Twitter gehört, praktisch keiner wusste jedoch, um was es sich wirklich handelt. Auch was den potenziellen Nutzen von Twitter betrifft, konnte mir keiner eine befriedigende Antwort liefern. Was also tut ein neugieriger Gelegenheitsblogger? Logisch – selber ausprobieren.
Als erstes schaue ich mir das Einführungsvideo auf der Twitter-Homepage an, in welchem versucht wird, den Nutzen von Twitter zu erklären. Es geht offensichtlich um die totale Transparenz eines jeden Tagesablaufs. “Schliesslich”, wird im Video gesagt, “schreibt man seinen Freunden kein Mail, um ihnen mitzuteilen, dass man gerade einen Kaffe trinkt. Also verewigt man es in Twitter, so weiss es jeder”. Warum die Welt wissen will, wann ich einen Kaffee trinke, ist mir noch nicht ganz klar, aber es klingt schon mal interessant. Also: E-Mail erfasst, Passwort ausgewählt, es kann losgehen.
Erste Feststellung: Kein Mensch nutzt Twitter. Ich suche nach meinen Mail-Kontakten und Kontakten in Facebook. Eine einzige Person kann ich ausfindig machen. Ein Freund, welcher vor einem Monat ebenfalls Twitter ausprobieren wollte und somit zwei veraltete Einträge auf seinem Profil hat. Immerhin: Barack Obama hat einen Twitter-Account. Jetzt weiss ich, wann Obama Kaffee trinkt :)
Nächste Feststellung: Das Ding kann nichts, was Facebook nicht schon lange beherrscht. Im Prinzip ist es sogar eine Vereinfachung von Facebook. Die einzige Funktion ist der Statusupdate. Und dieser ist erst noch auf 140 Zeichen beschränkt.
Fazit: Lange hat mein Experiment nicht gedauert. Als Notwendigkeit kann man Twitter mit Sicherheit nicht bezeichnen, in Anbetracht des Erfolgs von Facebook würde ich es allerdings auch nicht als Ausgeburt des Web 2.0 bezeichnen. Es besitzt mit Sicherheit ein potenzial. Interessant wird es jedoch erst, wenn das eigene Netzwerk auf Twitter vertreten ist. Seine eigenen Updates zu schreiben und sie als einziger zu lesen ist nicht sonderlich motivierend. Die Beschränkung auf 140 Zeichen halte ich jedoch für Sinnvoll. Riesige Texte wie dieser hier, welche aufgrund der Länge niemand liest, bleiben Twitter somit erspart ;)