Nach einem erholsamen Weekend im schweizerischen Goms fuhr ich kürzlich mit dem Auto abends zurück in Richtung Zürich. Wie so Viele stellte auch ich mir in der Nähe von Sihlbrugg die Frage, welche Streckenwahl zur Minimierung der Fahrzeit am geeignetsten sei, der Weg über den Hirzel oder jene Strasse, welche der Sihl folgt. Aufgrund der späten Uhrzeit und des fliessenden Verkehrs entschied ich mich für das Sihltal, was sich jedoch später als einen grossen Fehler entpuppen sollte.
Knapp 5 Minuten nach der Abbiegung auf die entsprechende Hauptstrasse fand ich mich hinter einer Autokolonne wieder, welche mit einer Geschwindigkeit von ziemlich exakt 40km/h unterwegs war. Mein anfängliches Erstaunen über einen derart regelmässigen Stau wich bald purem Zorn, als ich realisierte, dass der Urheber dieser Schlange ein Traktor war, welcher zum Transport von Gütern ausgerechnet die Hauptverkehrszeit gewählt hatte. Aufgrund des hohen Gegenverkehrs gelang es den nachfolgenden Fahrzeugen nicht, den Traktor zu überholen, so dass ich während 30 Minuten Fahrt nach Zürich mit 40 km/h viel Zeit zum nachdenken hatte. Dass die Bauernlobby während dieser Zeit in meiner Gunst noch ein weiteres Stückchen in die Tiefe fiel, ist leicht verständlich.
Warum wählt ein Bauer, dessen Einkommen grösstenteils von Subventionen besteht, für eine Verschiebung von A nach B ausgerechnet die Zeit, in welcher er am meisten Personen verärgert? Insbesondere, da man davon ausgehen kann, dass die seinem Traktor folgenden Individuen wahrscheinlich grösstenteils Schweizer Steuerzahler sind, im Prinzip also seine Existenz finanzieren. Der Gedankengang könnte sogar auf folgende Frage reduziert werden: Welcher normale Lohnempfänger ärgert absichtlich seinen Geldgeber? Zugegeben, meine Darstellung ist absichtlich überspitzt, trotzdem steckt mit Sicherheit ein Körnchen Wahrheit dahinter. Abgesehen von meiner politischen Einstellung, welche der aufmerksame Leser mittlerweile herausgespürt haben dürfte, stellte ich mir die Frage, ob es verhältnismässig wäre, ein solches Verhalten rechtlich zu unterbinden. Immerhin störte der Traktorfahrer an diesem Abend dutzende Autofahrer, den sich anschliessend gebildeten Stau mit eingerechnet dürften es leicht ein paar Hunderte gewesen sein. In meiner damaligen, momentanen Gemütslage kam ich jedenfalls zum Schluss, dass ein solches Verhalten nicht toleriert werden sollte. Würde ein Traktorverbot auf gewissen Hauptachsen zu gewissen Zeiten Sinn machen? Wäre vielleicht ein grundsätzliches Verbot von langsamen Fahrzeugen zu bestimmten Zeiten sinnvoll?
Die Fragen werden unbeantwortet bleiben. Zum einen masse ich mir nicht an, über genügend fundiertes, politisches Wissen zu verfügen, um solche Fragen tiefer diskutieren zu können, zum anderen kenne ich den Tagesablauf eines Bauern zu wenig, um einschätzen zu können, ob eine solch störende Fahrt am Abend wirklich unbedingt notwendig ist. Trotzdem sollten sich Bauern solche Fragen durch den Kopf gehen lassen, denn es sind exakt diese Momente, welche einem bei der nächsten Abstimmung zu einem Agrarthema wieder in den Sinn kommen.